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Und Frieden auf Erden
Text: Heike Neder
Sie hat bislang über 21 Millionen Menschen auf der
ganzen Welt umarmt und sie gehört zu den bedeutenden spirituellen Lehrern
der Gegenwart. Am 27. September 2003 wurde die Inderin Mata Amritanandamayi
(Amma) 50. Aus diesem Grund fand eine interkulturelle und interreligiöse
Megaveranstaltung in Anwesenheit der höchsten politischen Repräsentanten
Indiens und Vertretern aller Religionen und Kulturen statt.
Das
Hauptanliegen von Mata Amritanandamayi während dieser Feier war, ein Zeichen
für das friedliche Miteinander der verschiedenen Kulturen, Religionen und
Geschlechtern zu setzen.
Auf den ersten Blick wirkt Amma
unscheinbar. Ein kleine indische Frau, ganz in Weiß gekleidet. Auf ihrem
Gesicht ein bezauberndes Lächeln. Dem Besucher im indischen Amritapuri wird
jedoch
schon nach
kurzer Zeit bewusst, dass dahinter sehr viel mehr steckt. Ein Bündel an
Kraft und Energie, das mit wenigen Stunden Schlaf auskommt und dessen Leben
einzig dem Wohl und Mitgefühl anderer gewidmet ist.
Dieses Mitgefühl für andere drückt sich ganz direkt
darin aus, dass sie die Menschen, die zu ihr kommen einfach in den Arm
nimmt, ihnen über den Rücken streicht und tröstet. Im Westen (USA, Europa,
Japan, Australien, Kuwait und Malaysia) sind es bis zu 3000, in Indien sogar
bis zu 30.000 Personen pro Tag. Diese Umarmungen haben Amma auf der ganzen
Welt berühmt gemacht.
Durch eine solch einfache Geste Mitgefühl, Anteilnahme
und Trost zu übermitteln, scheint etwas zu sein, das die Menschen in einer
Zeit des totalen Konsums und Profitdenkens gänzlich missen.
Was die im indischen Kerala in einfachen Verhältnissen
Geborene auf der äußeren Ebene macht, ist jedoch sehr viel weitreichender
und tiefgreifender. Sie übermittelt etwas von jener Energie, mit der sie
beständig verbunden scheint – mit der Quelle aller Energie.
Was ist ein »wahrer Verehrer Gottes«?
Auf die Frage hin, was man überhaupt unter einem
‚wahren Verehrer Gottes’ verstehen könne, antwortete Amma: „Es ist nicht
derjenige, der ausschließlich 4 Stunden am Tag meditiert, nichts als betet
oder gar dreimal in der Woche fastet; sondern ein Mensch, der sofort bereit
ist, auf Leidende zuzugehen; dessen Hände sich danach sehnen, die Traurigen
zu trösten und dessen Augen Tränen des Mitgefühls verströmen. Jemand, dessen
Ohren immer bereit sind, den Sorgen anderer zu lauschen, und dessen Worte
voller Liebe und Mitgefühl sind und Trost jenen bringen, die voller Schmerz
sind. Das ist ein wahrer Verehrer Gottes.“
Amma geht es darum, die Erkenntnisse der Spiritualität
in den Alltag umzusetzen, und sei es nur eine ganz unspektakuläre Geste wie
ein kleines Lächeln oder ein tröstendes Wort.
Die Veränderung beginnt bei uns selbst
Selbstloses Handeln ist ein Licht in uns, das wir
wieder entdecken müssen. Wir können dieses Licht benutzen, um den Weg zu
sehen und voranzuschreiten. Nur über Veränderungen zu sprechen ist nicht
genug. Wir müssen auch selbst handeln. Denn wir sind alle miteinander
verbunden wie Glieder einer Kette, also keine isolierten Inseln. Amma
hierzu: „Erwarte nicht, dass sich der andere verändert, bevor du dich selbst
veränderst. Du musst dich zuerst verändern und dann werden sich die anderen
ganz automatisch auch ändern!“
Wie kann unsere Welt friedlicher werden?
Mitgefühl
– Einer Journalistin von NBC New York antwortete Amma auf die Frage nach
einem Lösungsvorschlag für eine friedlichere Welt, “Ich bin mir ganz sicher,
dass Mitgefühl die Lösung für viele Probleme ist, mit denen die Welt
heutzutage konfrontiert wird“.
Falsche Identifikation
– Bei einem anderen Interview sagte sie: “Unsere Zugehörigkeit zu einer
Religion, Gesellschaft oder Nation sollte nicht bewirken, dass wir die
grundlegenden menschlichen Werte vergessen.“
Liebe
– In einer Ansprache
vor der UNO im Jahre 2000 erklärte Amma, dass Liebe die einzige Medizin in
diesem Universum ist, welche die Wunden der Welt zu heilen vermag. Liebe sei
das Fundament, die Schönheit und die Erfüllung des Lebens. Amma weiter:
„Wenn dieses Bewusstsein in allen Menschen erwachte, würde alle Disharmonie
verschwinden und dauerhafter Friede herrschen.“
Bescheidenheit und Demut
– Die meisten Menschen sehnen sich nach Frieden. Doch was kann der einzelne
zu einem dauerhaften Frieden beitragen? Mehr Demut und Bescheidenheit ist
es, was Amma hierzu empfiehlt, da sie die Herrschsucht vieler Menschen als
Hauptursache für Kriege ausmacht.
Wie geht Veränderung?
Den Anstoß zur Veränderung möchte Amma mit dem
sogenannten Darshan (der persönlichen Begegnung) bewirken, der Art und
Weise, wie sie die Menschen empfängt. Das Gefühl des Friedens und der
Geborgenheit in den wenigen Momenten in Ammas Armen bewirkt bei sehr vielen
Menschen, dass sie ihr Leben ändern und neu ausrichten möchten. Viele
Besucher berichten davon, wie sich der Glaube an ihre eigene Tradition und
Kultur neu belebte. Amma sagt hierzu: „Es ist wichtig, den eigenen Glauben
zu vertiefen und sich seiner Wurzeln bewusst zu werden. Wir haben das
Göttliche in uns, doch sind wir uns dessen nicht bewusst. Deshalb suchen wir
es auf der ganzen Welt und in unzähligen Bemühungen und bleiben letztlich
unzufrieden. Spiritualität bewirkt, dass wir diese Suche im Äußeren umkehren
und dort suchen, wo wir wirklich fündig werden können.“ Diese Rückwendung
nach innen, das auf sich selbst Besinnen ist auch das, was alle großen
Weisheitslehrer immer wieder betonen – dass die Wahrheit in uns selbst
liegt. Und das, was uns hilft den Weg zu gehen, ist die spirituelle Praxis.
Die Veränderungen, die durch spirituelle Praxis in uns
stattfindet, wirken sich auf unsere Familie auf unser Umfeld und schließlich
auf die gesamte Gesellschaft aus. Wenn wir uns wirklich verändern, dann kann
sich die ganze Welt wandeln.
Die großen Weisen und Heiligen der Weltgeschichte sind
das beste Beispiel dafür. Franz von Assisi verzichtete beispielweise auf
Reichtum, kostbare Kleidung und Ansehen; stattdessen küsste er einen
Aussätzigen, wanderte barfuss durch die Lande, predigte und übte sich in
Askese. Er war Inspiration für unzählige Menschen, was einem schnell sehr
deutlich wird, wenn man an einem heißen Sommertag durch das italienische
Assisi schlendert: unzählige Besucher, die noch immer aufgrund der Wandlung
des Franz von Assisi von diesem Ort magisch angezogen werden. Auf ähnliche
Weise ist es gut möglich, dass auch unsere innere Wandlung andere Menschen
anziehen wird, und der Welt hilft, einen kleinen Schritt in Richtung Frieden
voranzuschreiten. Amma möchte durch Ihre Arbeit eine Veränderung und
Transformation in unzähligen Menschen bewirken, durch die letztlich die
gesamte Welt eine Veränderung erfahren kann.
Unendliche Quelle der Energie
Wenn Amma gefragt wird, woher sie die Kraft nehme,
seit mehr als zwanzig Jahren jeden Tag Tausende von Menschen zu umarmen und
zu trösten antwortet sie: „Was aus Liebe geschieht, ist nicht anstrengend.
Ich sehe in jedem Wesen nur die eine, universelle Liebe, durch die wir und
die ganze Schöpfung miteinander verbunden sind.“
Was genau bei Ammas Umarmung geschieht, ist schwer in
Worte zu fassen. In einem Interview mit rediff.com, einem der grössten
Internet-Nachrichtendienste Indiens sagte sie, dass Umarmen Geben
symbolisiere. Umarmen drücke Liebe aus und davon gebe es in der heutigen
Welt zu wenig. Umarmen sei auch ein Symbol für Mütterlichkeit. Die
Umarmungen sollen in den Menschen die Bereitschaft zum Teilen und Geben
wecken. Die Umarmungen seien nicht rein physisch, sondern hätten zum Ziel,
das Innerste in jedem Menschen zu berühren.
Warum Amma Menschen umarmt
„Sie hatte ein außergewöhnliches Leben. Sie hat sich
der Tradition von Beginn an widersetzt. In eine arme Familie geboren, ihre
Haut dunkler als die ihrer Brüder und Schwestern, wurde sie nicht gut von
ihrer Familie behandelt; sie wurde wie eine Dienerin behandelt. Doch begann
sie die Gegenwart Gottes in sich zu fühlen, und sie fühlte diese Präsenz so
stark, dass sie ihre Arme ausstrecken wollte, um dieses Glück mit denen zu
teilen, die weniger glücklich waren als sie. Und erneut der Tradition
trotzend, begann sie diejenigen zu umarmen, die Trost brauchten, wo es
Frauen doch nicht erlaubt war, Fremde zu berühren.“ Jane Goodall anlässlich
der Verleihung des Ghandi-King-Preises.
Amma gibt darüber hinaus jedoch auch Ratschläge auf
spirituelle und weltliche Fragen. Das profunde Wissen, das Amma bei ihren
Antworten erkennen lässt, ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass sie
die Schule nur etwa für 4 Jahre besucht hat.
Frauen müssen spirituell erwachen und handeln
Diese Weisheit durchzieht gleichfalls eine Rede, die
Amma im Jahre 2002 anlässlich der Verleihung des Ghandi-King-Preises
gehalten hat. Darin ruft sie insbesondere die Frauen auf, spirituell zu
erwachen und zu handeln!
Amma erklärte, dass Frauen einen wesentlichen Beitrag
zum Frieden in der Welt leisten müssen und dass unsere Zukunft auch davon
abhängt, inwieweit Frauen bereit sind, diese Rolle zu übernehmen. Sie
betonte ausdrücklich die Gleichstellung von Mann und Frau. Jedoch sei es so,
dass gegenwärtig die meisten Frauen schlafen würden. „Frauen müssen
(spirituell und auch sonst) erwachen und handeln! Dies ist eine der
dringendsten Notwendigkeiten dieses Zeitalters. Nicht nur die Frauen in
Entwicklungsländern sollten aufwachen – es gilt für die Frauen auf der
ganzen Welt. Frauen in Ländern, wo der Materialismus überwiegt, sollten zur
Spiritualität erwachen.“
Frauen seien vielfach dazu gezwungen worden, innerhalb
der engen Grenzen von religiöser Tradition zu bleiben. Doch sei es wichtig,
dass sie zu modernem Denken erwachen. Lange Zeit hätte man geglaubt, dass
Frauen durch Bildung und materielle Entwicklung aufwachen würden. Es habe
sich aber gezeigt, dass dies nicht stattfand, da dieses Konzept zu
beschränkt sei. Nur wenn Frauen neben modernen Bildung das ewige Wissen aus
alter Zeit und die Weisheit der Spiritualität in sich aufnähmen, könne ihre
innere Kraft erwachen und entsprechendes Handeln entspringen.
Amma fuhr fort, indem sie selbst die Frage stellte,
wer denn die Frauen aufwecken solle und was sie am Erwachen hindere.
„In Wahrheit ist es unmöglich, dass eine äußere Kraft
die Frau oder ihre angeborenen Qualitäten der Mutterschaft – wie Liebe,
Mitgefühl und Geduld – behindern kann. Es ist die Frau, und sie allein, die
zu sich selbst erwachen muss. Die einzige, echte Schranke, welche dies
vereitelt, ist die geistige Einstellung der Frau.“
Demnach sind es die Frauen selbst und vor allem
eingefahrene Denkweisen, die sie daran hindern, wirklich zu erkennen, wer
sie eigentlich sind. Doch wäre dies ein ganz wichtiger Schritt – vor allem
ein wichtiger Schritt in Richtung Weltfrieden. Denn die Frau sei, so Amma,
„... Kraft und das eigentliche Fundament unserer Existenz in der Welt. Wenn
sie den Bezug zu ihrem wahren Selbst verlieren, verschwindet die Harmonie
der Welt und Zerstörung macht sich breit.
Es ist deshalb von größter Wichtigkeit, dass Frauen
überall jede Anstrengung erbringen, um ihre grundlegende Natur wieder zu
entdecken, denn nur so können wir diese Welt retten.“
Amma macht weiter deutlich, dass die heutige Welt das
richtige Zusammenwirken von Männern und Frauen braucht, und dass nicht genug
Wert auf die Einheit in der Familie gelegt werden kann.
„Kriege und Konflikte, alles Leiden und der Mangel an
Frieden in der gegenwärtigen Welt werden sich mit Sicherheit deutlich
vermindern, wenn Frauen und Männer miteinander kooperieren und sich
gegenseitig unterstützen. Solange die Harmonie zwischen dem Männlichen und
dem Weiblichen, zwischen Mann und Frau, nicht wiederhergestellt ist, wird
Frieden weiterhin ein weit entfernter Traum bleiben.“
»Amma hat auch einen Traum. Es ist die Vision einer
Welt, in der Frauen und Männer gemeinsam voranschreiten, eine Welt, in der
alle Menschen die Tatsache respektieren, dass, wie die zwei Schwingen eines
Vogels, Männer und Frauen von gleichem Wert sind. Weil ohne die beiden in
vollständigem Gleichgewicht, kann die Menschheit nicht vorankommen.
Lasst uns den Mut und die Beharrlichkeit haben, die
aus spiritueller Praxis entspringt, um diese Welt zu verändern. Damit das
geschieht, muss jeder von uns die inneren Qualitäten von Glaube, Liebe,
Geduld und Selbstaufgabe zum Guten aller entdecken und ans Licht bringen.
Das ist es, was Amma wahre Mütterlichkeit nennt.«
Amma vertieft ihre Erklärung und fährt fort:
„Eine Frau, deren Mütterlichkeit erweckt ist, bringt
überall, wo sie sich befindet, den Himmel auf Erden. Nur Frauen können eine
friedliche, glückliche Welt schaffen. Und so kommt es, dass die Hand, welche
die Wiege des Säuglings schaukelt, die Lampe hoch hält, die Licht auf die
Welt scheinen lässt.“
Zwischentexte
Die wenigen Momente in Ammas Armen bewirken bei sehr
vielen Menschen, dass sie ihr Leben ändern und neu ausrichten möchten.
Die Veränderungen, die durch spirituelle Praxis in uns
stattfindet, wirken sich auf unsere Familie auf unser Umfeld und schließlich
auf die gesamte Gesellschaft aus. Wenn wir uns wirklich verändern, dann kann
sich die ganze Welt wandeln.
Eine Frau, deren Mütterlichkeit erweckt ist, bringt
überall, wo sie sich befindet, den Himmel auf Erden.
Frauen sind die Kraft und das eigentliche Fundament
unserer Existenz in der Welt. Wenn sie den Bezug zu ihrem wahren Selbst
verlieren,
verschwindet die Harmonie der Welt und
Zerstörung macht sich breit.
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2002
wurde Mata Amritanandamayi,
gennant Amma, von der UN,
in den Gebäuden der UNO in Genf, durch Kofi Annan
und die Vorjahrespreisträgerin, Dr. Jane Godall,
der Gandhi-King-Preis für Gewaltlosigkeit verliehen.
Dabei sagte Dr. Jane Goodall:
„Amma steht hier vor uns als Verkörperung der göttlichen Liebe.“
Amma selbst hielt eine bewegende Dankesrede.
Dieser Preis wurde nach Gandhi und Martin
Luther King benannt. Zwei Jahre zuvor hatte Nelson Mandela diesen Preis
erhalten.
Amma besucht einmal im Jahr Deutschland und mehrere tausend
Menschen nehmen diese Möglichkeit der Begegnung
mit ihr wahr.
Amma ist eine Mystikerin
und Verkörperung der Großen Mutter.
In ihr finden wir die weibliche
Göttlichkeit. Amma schließt Frauen und Männer jeglicher Glaubensbekenntnisse und aller Kulturen
in ihre weit geöffneten Arme und ihr mitfühlendes Herz und hilft uns dabei
mit unserem eigenen Inneren Wesen tiefer in Verbindung zu kommen.
Dagmar Maria Jendricke
Mehr Infos:
Nähere Auskünfte unter: www.amma.de oder
per Telefon: 089-987369, Fax 089-98105893
Presse
Bücher Seite 9
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