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Bücher S. 9

Amma

Der Beitrag wurde freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom Magazin "Yoga" - "Yoga Aktuell" (Nr. 22)   www.yoga-aktuell.de  
   

Und Frieden auf Erden

Text: Heike Neder

Sie hat bislang über 21 Millionen Menschen auf der ganzen Welt umarmt und sie gehört zu den bedeutenden spirituellen Lehrern der Gegenwart.  Am 27. September 2003 wurde die Inderin Mata Amritanandamayi (Amma) 50. Aus diesem Grund fand eine interkulturelle und interreligiöse Megaveranstaltung in Anwesenheit der höchsten politischen Repräsentanten Indiens und Vertretern aller Religionen und Kulturen statt.

Das Hauptanliegen von Mata Amritanandamayi während dieser Feier war, ein Zeichen für das friedliche Miteinander der verschiedenen Kulturen, Religionen und Geschlechtern zu setzen.

 

Auf den ersten Blick wirkt Amma unscheinbar. Ein kleine indische Frau, ganz in Weiß gekleidet. Auf ihrem Gesicht ein bezauberndes Lächeln. Dem Besucher im indischen Amritapuri wird jedoch schon nach kurzer Zeit bewusst, dass dahinter sehr viel mehr steckt. Ein Bündel an Kraft und Energie, das mit wenigen Stunden Schlaf auskommt und dessen Leben einzig dem Wohl und Mitgefühl anderer gewidmet ist.

 

Dieses Mitgefühl für andere drückt sich ganz direkt darin aus, dass sie die Menschen, die zu ihr kommen einfach in den Arm nimmt, ihnen über den Rücken streicht und tröstet. Im Westen (USA, Europa, Japan, Australien, Kuwait und Malaysia) sind es bis zu 3000, in Indien sogar bis zu 30.000 Personen pro Tag. Diese Umarmungen haben Amma auf der ganzen Welt berühmt gemacht.

Durch eine solch einfache Geste Mitgefühl, Anteilnahme und Trost zu übermitteln, scheint etwas zu sein, das die Menschen in einer Zeit des totalen Konsums und Profitdenkens gänzlich missen.

Was die im indischen Kerala in einfachen Verhältnissen Geborene auf der äußeren Ebene macht, ist jedoch sehr viel weitreichender und tiefgreifender. Sie übermittelt etwas von jener Energie, mit der sie beständig verbunden scheint – mit der Quelle aller Energie.

 

Was ist ein »wahrer Verehrer Gottes«?

Auf die Frage hin, was man überhaupt unter einem ‚wahren Verehrer Gottes’ verstehen könne, antwortete Amma: „Es ist nicht derjenige, der ausschließlich 4 Stunden am Tag meditiert, nichts als betet oder gar dreimal in der Woche fastet; sondern ein Mensch, der sofort bereit ist, auf Leidende zuzugehen; dessen Hände sich danach sehnen, die Traurigen zu trösten und dessen Augen Tränen des Mitgefühls verströmen. Jemand, dessen Ohren immer bereit sind, den Sorgen anderer zu lauschen, und dessen Worte voller Liebe und Mitgefühl sind und Trost jenen bringen, die voller Schmerz sind. Das ist ein wahrer Verehrer Gottes.“

Amma geht es darum, die Erkenntnisse der Spiritualität in den Alltag umzusetzen, und sei es nur eine ganz unspektakuläre Geste wie ein kleines Lächeln oder ein tröstendes Wort.

 

Die Veränderung beginnt bei uns selbst

Selbstloses Handeln ist ein Licht in uns, das wir wieder entdecken müssen. Wir können dieses Licht benutzen, um den Weg zu sehen und voranzuschreiten. Nur über Veränderungen zu sprechen ist nicht genug. Wir müssen auch selbst handeln. Denn wir sind alle miteinander verbunden wie Glieder einer Kette, also keine isolierten Inseln. Amma hierzu: „Erwarte nicht, dass sich der andere verändert, bevor du dich selbst veränderst. Du musst dich zuerst verändern und dann werden sich die anderen ganz automatisch auch ändern!“

 

Wie kann unsere Welt friedlicher werden?

Mitgefühl – Einer Journalistin von NBC New York antwortete Amma auf die Frage nach einem Lösungsvorschlag für eine friedlichere Welt, “Ich bin mir ganz sicher, dass Mitgefühl die Lösung für viele Probleme ist, mit denen die Welt heutzutage konfrontiert wird“.

Falsche Identifikation – Bei einem anderen Interview sagte sie: “Unsere Zugehörigkeit zu einer Religion, Gesellschaft oder Nation sollte nicht bewirken, dass wir die grundlegenden menschlichen Werte vergessen.“

 

Liebe – In einer Ansprache vor der UNO im Jahre 2000 erklärte Amma, dass Liebe die einzige Medizin in diesem Universum ist, welche die Wunden der Welt zu heilen vermag. Liebe sei das Fundament, die Schönheit und die Erfüllung des Lebens. Amma weiter: „Wenn dieses Bewusstsein in allen Menschen erwachte, würde alle Disharmonie verschwinden und dauerhafter Friede herrschen.“ 

Bescheidenheit und Demut – Die meisten Menschen sehnen sich nach Frieden. Doch was kann der einzelne zu einem dauerhaften Frieden beitragen? Mehr Demut und Bescheidenheit ist es, was Amma hierzu empfiehlt, da sie die Herrschsucht vieler Menschen als Hauptursache für Kriege ausmacht.

 

Wie geht Veränderung?

Den Anstoß zur Veränderung möchte Amma mit dem sogenannten Darshan (der persönlichen Begegnung) bewirken, der Art und Weise, wie sie die Menschen empfängt. Das Gefühl des Friedens und der Geborgenheit in den wenigen Momenten in Ammas Armen  bewirkt bei sehr vielen Menschen, dass sie ihr Leben ändern und neu ausrichten möchten. Viele Besucher berichten davon, wie sich der Glaube an ihre eigene Tradition und Kultur neu belebte. Amma sagt hierzu: „Es ist wichtig, den eigenen Glauben zu vertiefen und sich seiner Wurzeln bewusst zu werden. Wir haben das Göttliche in uns, doch sind wir uns dessen nicht bewusst. Deshalb suchen wir es auf der ganzen Welt und in unzähligen Bemühungen und bleiben letztlich unzufrieden. Spiritualität bewirkt, dass wir diese Suche im Äußeren umkehren und dort suchen, wo wir wirklich fündig werden können.“ Diese Rückwendung nach innen, das auf sich selbst Besinnen ist auch das, was alle großen Weisheitslehrer immer wieder betonen – dass die Wahrheit in uns selbst liegt. Und das, was uns hilft den Weg zu gehen, ist die spirituelle Praxis.

Die Veränderungen, die durch spirituelle Praxis in uns stattfindet, wirken sich auf unsere Familie auf unser Umfeld und schließlich auf die gesamte Gesellschaft aus. Wenn wir uns wirklich verändern, dann kann sich die ganze Welt wandeln.

 

Die großen Weisen und Heiligen der Weltgeschichte sind das beste Beispiel dafür. Franz von Assisi verzichtete beispielweise auf Reichtum, kostbare Kleidung und Ansehen; stattdessen küsste er einen Aussätzigen, wanderte barfuss durch die Lande, predigte und übte sich in Askese. Er war Inspiration für unzählige Menschen, was einem schnell sehr deutlich wird, wenn man an einem heißen Sommertag durch das italienische Assisi schlendert: unzählige Besucher, die noch immer aufgrund der Wandlung des Franz von Assisi von diesem Ort magisch angezogen werden. Auf ähnliche Weise ist es gut möglich, dass auch unsere innere Wandlung andere Menschen anziehen wird, und der Welt hilft, einen kleinen Schritt in Richtung Frieden voranzuschreiten. Amma möchte durch Ihre Arbeit eine Veränderung und Transformation in unzähligen Menschen bewirken, durch die letztlich die gesamte Welt eine Veränderung erfahren kann.

 

Unendliche Quelle der Energie

Wenn Amma gefragt wird, woher sie die Kraft nehme, seit mehr als zwanzig Jahren jeden Tag Tausende von Menschen zu umarmen und zu trösten antwortet sie: „Was aus Liebe geschieht, ist nicht anstrengend. Ich sehe in jedem Wesen nur die eine, universelle Liebe, durch die wir und die ganze Schöpfung miteinander verbunden sind.“

Was genau bei Ammas Umarmung geschieht, ist schwer in Worte zu fassen. In einem Interview mit rediff.com, einem der grössten Internet-Nachrichtendienste Indiens sagte sie, dass Umarmen Geben symbolisiere. Umarmen drücke Liebe aus und davon gebe es in der heutigen Welt zu wenig. Umarmen sei auch ein Symbol für Mütterlichkeit. Die Umarmungen sollen in den Menschen die Bereitschaft zum Teilen und Geben wecken. Die Umarmungen seien nicht rein physisch, sondern hätten zum Ziel, das Innerste in jedem Menschen zu berühren.

 

Warum Amma Menschen umarmt

„Sie hatte ein außergewöhnliches Leben. Sie hat sich der Tradition von Beginn an widersetzt. In eine arme Familie geboren, ihre Haut dunkler als die ihrer Brüder und Schwestern, wurde sie nicht gut von ihrer Familie behandelt; sie wurde wie eine Dienerin behandelt. Doch begann sie die Gegenwart Gottes in sich zu fühlen, und sie fühlte diese Präsenz so stark, dass sie ihre Arme ausstrecken wollte, um dieses Glück mit denen zu teilen, die weniger glücklich waren als sie. Und erneut der Tradition trotzend, begann sie diejenigen zu umarmen, die Trost brauchten, wo es Frauen doch nicht erlaubt war, Fremde zu berühren.“ Jane Goodall anlässlich der Verleihung des Ghandi-King-Preises.

 

Amma gibt darüber hinaus jedoch auch Ratschläge auf spirituelle und weltliche Fragen. Das profunde Wissen, das Amma bei ihren Antworten erkennen lässt, ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass sie die Schule nur etwa für 4 Jahre besucht hat.

 

Frauen müssen spirituell erwachen und handeln

Diese Weisheit durchzieht gleichfalls eine Rede, die Amma im Jahre 2002 anlässlich der Verleihung des Ghandi-King-Preises gehalten hat. Darin ruft sie insbesondere die Frauen auf, spirituell zu erwachen und zu handeln!

Amma erklärte, dass Frauen einen wesentlichen Beitrag zum Frieden in der Welt leisten müssen und dass unsere Zukunft auch davon abhängt, inwieweit Frauen bereit sind, diese Rolle zu übernehmen. Sie betonte ausdrücklich die Gleichstellung von Mann und Frau. Jedoch sei es so, dass gegenwärtig die meisten Frauen schlafen würden. „Frauen müssen (spirituell und auch sonst) erwachen und handeln! Dies ist eine der dringendsten Notwendigkeiten dieses Zeitalters. Nicht nur die Frauen in Entwicklungsländern sollten aufwachen – es gilt für die Frauen auf der ganzen Welt. Frauen in Ländern, wo der Materialismus überwiegt, sollten zur Spiritualität erwachen.“

 

Frauen seien vielfach dazu gezwungen worden, innerhalb der engen Grenzen von religiöser Tradition zu bleiben. Doch sei es wichtig, dass sie zu modernem Denken erwachen. Lange Zeit hätte man geglaubt, dass Frauen durch Bildung und materielle Entwicklung aufwachen würden. Es habe sich aber gezeigt, dass dies nicht stattfand, da dieses Konzept zu beschränkt sei. Nur wenn Frauen neben modernen Bildung das ewige Wissen aus alter Zeit und die Weisheit der Spiritualität in sich aufnähmen, könne ihre innere Kraft erwachen und entsprechendes Handeln entspringen.

 

Amma fuhr fort, indem sie selbst die Frage stellte, wer denn die Frauen aufwecken solle und was sie am Erwachen hindere.

„In Wahrheit ist es unmöglich, dass eine äußere Kraft die Frau oder ihre angeborenen Qualitäten der Mutterschaft – wie Liebe, Mitgefühl und Geduld – behindern kann. Es ist die Frau, und sie allein, die zu sich selbst erwachen muss. Die einzige, echte Schranke, welche dies vereitelt, ist die geistige Einstellung der Frau.“

Demnach sind es die Frauen selbst und vor allem eingefahrene Denkweisen, die sie daran hindern, wirklich zu erkennen, wer sie eigentlich sind. Doch wäre dies ein ganz wichtiger Schritt – vor allem ein wichtiger Schritt in Richtung Weltfrieden. Denn die Frau sei, so Amma, „... Kraft und das eigentliche Fundament unserer Existenz in der Welt. Wenn sie den Bezug zu ihrem wahren Selbst verlieren, verschwindet die Harmonie der Welt und Zerstörung macht sich breit.

 

Es ist deshalb von größter Wichtigkeit, dass Frauen überall jede Anstrengung erbringen, um ihre grundlegende Natur wieder zu entdecken, denn nur so können wir diese Welt retten.“

Amma macht weiter deutlich, dass die heutige Welt das richtige Zusammenwirken von Männern und Frauen braucht, und dass nicht genug Wert auf die Einheit in der Familie gelegt werden kann.

 

„Kriege und Konflikte, alles Leiden und der Mangel an Frieden in der gegenwärtigen Welt werden sich mit Sicherheit deutlich vermindern, wenn Frauen und Männer miteinander kooperieren und sich gegenseitig unterstützen. Solange die Harmonie zwischen dem Männlichen und dem Weiblichen, zwischen Mann und Frau, nicht wiederhergestellt ist, wird Frieden weiterhin ein weit entfernter Traum bleiben.“

 

»Amma hat auch einen Traum. Es ist die Vision einer Welt, in der Frauen und Männer gemeinsam voranschreiten, eine Welt, in der alle Menschen die Tatsache respektieren, dass, wie die zwei Schwingen eines Vogels, Männer und Frauen von gleichem Wert sind. Weil ohne die beiden in vollständigem Gleichgewicht, kann die Menschheit nicht vorankommen.

Lasst uns den Mut und die Beharrlichkeit haben, die aus spiritueller Praxis entspringt, um diese Welt zu verändern. Damit das geschieht, muss jeder von uns die inneren Qualitäten von Glaube, Liebe, Geduld und Selbstaufgabe zum Guten aller entdecken und ans Licht bringen. Das ist es, was Amma wahre Mütterlichkeit nennt.«

 

Amma vertieft ihre Erklärung und fährt fort:

„Eine Frau, deren Mütterlichkeit erweckt ist, bringt überall, wo sie sich befindet, den Himmel auf Erden. Nur Frauen können eine friedliche, glückliche Welt schaffen. Und so kommt es, dass die Hand, welche die Wiege des Säuglings schaukelt, die Lampe hoch hält, die Licht auf die Welt scheinen lässt.“

 

Zwischentexte

Die wenigen Momente in Ammas Armen bewirken bei sehr vielen Menschen, dass sie ihr Leben ändern und neu ausrichten möchten.

 

Die Veränderungen, die durch spirituelle Praxis in uns stattfindet, wirken sich auf unsere Familie auf unser Umfeld und schließlich auf die gesamte Gesellschaft aus. Wenn wir uns wirklich verändern, dann kann sich die ganze Welt wandeln.

 

Eine Frau, deren Mütterlichkeit erweckt ist, bringt überall, wo sie sich befindet, den Himmel auf Erden.

 

Frauen sind die Kraft und das eigentliche Fundament unserer Existenz in der Welt. Wenn sie den Bezug zu ihrem wahren Selbst verlieren, verschwindet die Harmonie der Welt und Zerstörung macht sich breit.

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2002 wurde Mata Amritanandamayi, gennant Amma, von der UN, in den Gebäuden der UNO in Genf, durch Kofi Annan und die Vorjahrespreisträgerin, Dr. Jane Godall, der Gandhi-King-Preis für Gewaltlosigkeit verliehen.

Dabei sagte
Dr. Jane Goodall: „Amma steht hier vor uns als Verkörperung der göttlichen Liebe.“
 
Amma selbst hielt eine bewegende Dankesrede.

Dieser Preis wurde nach Gandhi und Martin Luther King benannt. Zwei Jahre zuvor hatte Nelson Mandela diesen Preis erhalten.


Amma besucht einmal im Jahr Deutschland und mehrere tausend Menschen nehmen diese Möglichkeit der Begegnung
mit ihr wahr.

Amma ist eine Mystikerin und Verkörperung der Großen Mutter.
In ihr finden wir die weibliche Göttlichkeit. Amma schließt  Frauen und Männer jeglicher Glaubensbekenntnisse und aller Kulturen in ihre weit geöffneten Arme und ihr mitfühlendes Herz und hilft uns dabei mit unserem eigenen Inneren Wesen tiefer in Verbindung zu kommen.
 
Dagmar Maria Jendricke
 

Mehr Infos:
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per Telefon: 089-987369, Fax 089-98105893

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